Flora & Fauna

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Bild/Text: (c) Elke Entenmann

Westliche Beißschrecke

Platycleis albopunctata

3 (gefährdet)

mäßig häufig

Noch  ein kleines Krabbeltier in den hochwertigeren Flächen der Uhlerborner  Sande: Rote Liste 3, die westliche Beißschrecke (Platycleis  albopunctata).
Von Juni bis September findet oder hört man sie in  trockenen, wenig bewachsenen Gegenden, insbesondere an steinigen  Südhängen, auf Trockenrasen oder offenen Sandflächen und Stranddünen.  Vor allem im Süden Deutschlands und in Südeuropa.
Sie ernährt sich von kleinen Insekten und zarten Pflanzenteilen.
Das Foto zeigt ein weibliches Tier, was man am Legebohrer erkennen kann.

Bild/Text: (c) Ronald Burger, IFAUN - Faunistik und Funktionale Artenvielfalt

Feldhummel

Bombus ruderatus

D (Datenlage unzureichend)

relativ selten

Die seltene Feldhummel wird bundesweit mit dem Status "D" (Datenlage zu gering für eine Einschätzung) geführt. In Rheinland-Pfalz ist die Art nicht in der Roten-Liste aufgeführt. Ein alter Nachweis und mehrere neue Nachweise werden für Rheinland-Pfalz genannt (Reder 2016). Die Art ist aktuell im Südwesten Deutschlands in Ausbreitung und besiedelt die Rheinebene von Rheinland-Pfalz, Südhessen und Nordbaden in größerer Zahl. 


Die Feldhummel ähnelt der Gartenhummel, von der sie sich v.a. durch die gleichmäßig lange und kürzeren Haare auf dem Bruststück und der oft unterbrochenen gelben Binde auf dem ersten Hinterleibsring unterscheidet. Die Bestimmung der Weibchen ist meist nur am Binokular möglich, da weitere Merkmale beachtet werden müssen. Auf der Vereinsfläche der Naturschutzgruppe Ingelheim konnten zwei Männchen beim Nektartrinken an Natternkopf (Echium vulgare) nachgewiesen werden.


(Foto: Arbeiterin der seltenen Feldhummel.)

Bild/Text: (c) Hans-Georg Folz

Weichwanzen-Art ohne deutschen Namen

Oncotylus viridiflavus

D (Datenlage unzureichend)

sehr selten

Eine der artenreichsten Ordnungen im Uhlerborner Dünengebiet stellt die Heteropterenfauna dar, also die Wanzenfauna. Darunter gibt es etliche Arten, die an trocken-warme, sandige Standorte wie das Uhlerborner Dünengebiet gebunden sind und die in Deutschland ihre Vorkommenschwerpunkte im Südwesten in z.T. selten gewordenen Habitaten haben. 


Als Beispiel sei hier aus der Familie der Weichwanzen (Miridae) die Art Oncotylus viridiflavus vorgestellt, die wie viele andere Wanzenarten im Uhlerborner Dünengebiet zu beobachten ist. Die Art hat in Deutschland ihre Verbreitungsschwerpunkte in klimatisch begünstigten Regionen, zum einen um den Bodensee herum und zum anderen in Rheinland-Pfalz, wo das Mainzer Becken eine besondere Rolle als geeigneter Lebensraum einnimmt. In anderen Regionen Deutschlands fehlt sie entweder oder ist sie sehr selten. 


Das Foto zeigt eine Larve, die sich auf einer ihrer bevorzugten Wirtspflanzen, nämlich einer Schwarzen Flockenblume (Centaurea nigra) in unserem Dünengebiet aufhält.

Bild/Text: (c) Hans-Georg Folz

Dünen-Sandlaufkäfer

Cicindela hybrida

* derzeit keine Gefährdung erkennbar

mäßig häufig

Der Dünen-Sandlaufkäfer gehört zu den Charakterarten des Dünengebietes. Die bis zu 16 mm langen Käfer lassen sich von Frühjahr (April) bis Herbst (Oktober) beobachten, wie sie Jagd auf kleinere Gliederfüßler machen. 

Die Art ist auf besonnte offene Sandböden angewiesen. Ihre Larven lauern in eigens gebauten Sandröhren auf vorbei laufende Spinnen und Insekten. Zu Zeiten, in denen der heute bei uns ausgestorbene Brachpieper (Anthus campestris), eine Singvogelart, noch im Uhlerborner Dünengebiet brütete, stellten Dünen-Sandlaufkäfer und ihre Larven einen wichtigen Teil von dessen Nahrung dar. 

Zwar besteht vermutlich noch keine akute Gefährdung, aber aufgrund der Seltenheit der Lebensräume des hübschen Käfers, der je nach Lichteinfall in allen Regenbogenfarben metallisch glänzen kann, benötigen Dünengebiete wie das bei Uhlerborn zumindest im Binnenland konsequenten Schutz.

Bild/Text: (c) Ronald Burger, IFAUN - Faunistik und Funktionale Artenvielfalt

Fliegenspießwespen-Art ohne deutschen Namen

Oxybelus mucronatus

1 (vom Aussterben bedroht)

nicht beobachtet

Erwähnenswert ist der Nachweis der Fliegenspießwespen-Art Oxybelus mucronatus auf dem Vereinsgelände der Naturschutzgruppe Ingelheim. Diese Art wird bundesweit als "vom Aussterben bedroht" eingestuft. Der erste Nachweis in RheinlandPfalz erfolgte erst 2007. 


Oxybelus mucronatus profitiert anscheinend von ansteigenden Durchschnittstemperaturen ("Klimawandel") und wird in jüngster Vergangenheit im Südwesten Deutschland zahlreicher nachgewiesen (Reder et al. 2018). 

In der Rheinebene sind mittlerweile zahlreiche Nachweise auch aus Ackergebieten bekannt, was nicht auf einen besonderen Lebensraumanspruch deutet, sondern vorrangig auf eine Abhängigkeit von der Wärmegunst hinweist.


Oxybelus mucronatus nistet in selbstgegrabenen Hohlräumen im Boden und nutzt gelähmte Fliegen als Larvennahrung.

Bild/Text: (c) Ronald Burger, IFAUN - Faunistik und Funktionale Artenvielfalt

Südliche Goldfurchenbiene

Halictus submediterraneus

3 (gefährdet)

sehr selten

Die bundesweit gefährdete Südliche Goldfurchenbiene ist nicht auf eine spezielle Pollenquelle angewiesen und nistet im Boden an lückig bewachsenen Stellen. 

Seit ca. 20 Jahren ist eine Bestandszunahme der Art zu erkennen, die sehr wahrscheinlich auf steigenden Temperaturen („Klimawandel“) zurückzuführen ist. 


Sie besiedelt in Deutschland vor allem die wärmsten Lagen im Südwesten und kommt in der Rheinebene regelmäßig vor.


(Anm.: Halictus submediterraneus wurde bis zur Revision der Gruppe und Beschreibung durch Pauly et al. 2015 als Halictus smaragdulus geführt.)

Bild/Text: (c) Hans-Georg Folz

Spanische Flagge (auch: Russischer Bär)

Euplagia quadripunctata

V (Vorwarnstufe), - (zurückgehende Art)

mäßig häufig

Dieser tagaktive Nachtfalter, der auch unter dem Namen "Russischer Bär" bekannt ist, ist seit wenigen Jahren auch im Uhlerborner Dünengebiet vor allem im Randbereich der lichten Kiefernbestände heimisch, wo er unter anderem gern an Blüten der Waldrebe Nektar saugt. 

Flugzeit  und Eiablage sind von Juli bis September. Die Raupen ernähren sich vor  der Überwinterung von Blättern des Kleinen Wiesenknopfes (Sanguisorba  minor), des Klees (Trifolium spec.), des Greiskrautes (Senecio spec.),  der Brennessel (Urtica dioica) oder des Huflattichs (Tussilago farfara),  nach der Überwinterung auch von Gehölzen wie Brombeere (Rubus  fruticosus), Himbeere (Rubus idaeus) oder Hasel (Corylus avellana).

Der Falter soll hier aufgrund seiner herausgehobenen Bedeutung sozusagen als 'Leuchtturm' für den Schutz des Gebietes vorgestellt werden. Für seine Vorkommengebiete besteht nämlich nach europäischem Naturschutzrecht eine ausdrückliche Schutzverpflichtung. Denn: 


"Der Russische Bär gilt bei uns nicht unbedingt als gefährdet, er findet sich aber regional in den Roten Listen. Zudem hat er EU-weit besondere Bedeutung im Naturschutz, denn er ist in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) als sogenannte prioritäre Art aufgeführt. Die Lebensräume des Russischen Bären müssen aufgrund der FFH-Einstufung geschützt und seine wichtigsten Vorkommen als Schutzgebiete ausgewiesen werden. 


Insgesamt kommt der Russische Bär in ganz Süd- und Mitteleuropa und im Osten bis ins Baltikum und Russland sowie nach Vorderasien vor. Die Nordgrenze der Verbreitung verläuft ungefähr durch die Mitte Deutschlands"


 (Zitat: NABU)



Bild/Text: (c) Hans-Georg Folz

Heidelerche

Lullula arborea

V (Vorwarnstufe), - (zurückgehende Art)

mäßig häufig

Die ehemals hier recht häufige Charakterart der Mainz-Ingelheimer Sandgebiete musste in den letzten Jahren starke Bestandsrückgänge hinnehmen. Ihre Gefährdung stieg sukzessive an, so dass sie heute hier am Rand ihres Erlöschen steht. Ihre ehemals landesweite Verbreitung hat sich fortschreitend auf nur wenige Vorkommen reduziert. 


Die Heidelerche ist bei uns an trocken-warme Standorte mit ausreichenden Anteilen unbewachsener Bodenflächen gebunden. Somit gehören die hiesigen Kalkflugsandgebiete zu ihren bevorzugten Habitaten. 


Die Heidelerche kann neu entstandene geeignete Biotope unmittelbar besiedeln und versucht insbesondere in trockenen Jahren, sich lokal zu stabilisieren. Sie ist allerdings hoch empfindlich gegenüber Beeinträchtigungen. Daher ist sie auf den Schutz ihrer wenigen verbliebenen Habitate ganz besonders angewiesen.

Bild: (c) Julia Flamme, Text: (c) Ronald Burger, IFAUN - Faunistik und Funktionale Artenvielfalt

Zweifarbige Schneckenhausbiene

Osmia bicolor

* (ungefährdet)

relativ selten

Die Zweifarbige Schneckenhausbiene ist in Deutschland weit verbreitet und kommt v.a. im Süden regelmäßig, aber nur lokal häufig vor. 

Sie besiedelt strukturreiches Grünland, Magerrasen, Waldränder, Steinbrüche, wo vegetationsarme Bereiche mit blütenreichen Stellen in geringer Entfernung vorkommen. 


Das Nest wird in leeren Schneckenhäusern von z.B. Bänderschnecken (Cepea spec.) oder Weinbergschnecken (Helix pomatias) angelegt. Je nach Größe werden bis zu vier Brutzellen darin gebaut und mit Pollen verschiedener Pflanzenarten verproviantiert. 

Die Trennwände werden aus zerkauten Blattstückchen (Pflanzenmörtel) von z.B. Fingerkraut gebaut; den Nestverschluss bilden kleine Steinchen und Erdstückchen, die eine Kammer am Eingang ausfüllen. 

Nach dem Verschließen des verproviantierten Schneckenhauses wird es so gedreht, dass die Öffnung am Boden möglichst dicht anliegt. Mit zahlreichen Grashalmen oder Kiefernadeln, die im Flug herbeitransportiert werden, wird das Schneckenhaus abgedeckt. 


Die Zweifarbige Schneckenhausbiene nutzt Pollen von sehr vielen unterschiedlichen Pflanzenarten als Larvennahrung.

Bild/Text: (c) Ronald Burger, IFAUN - Faunistik und Funktionale Artenvielfalt

Metallische Keulhornbiene

Ceratina chalybea

3 (gefährdet)

sehr selten

Die bundesweit gefährdete Metallische Keulhornbiene hat einen hohen Anspruch an die Wärmegunst und kommt in Deutschland deshalb nur im Südwesten vor. Hier ist sie v.a. in der Rheinebene zu finden, wo sie stellenweise auch häufiger sein kann. 


Ihre Nester nagt sie in trockene, markhaltige Stängel von z.B. Brombeere und verproviantiert die Brutzellen mit Pollen unterschiedlicher Pflanzen. 


Eine Besonderheit der Keulhornbienen ist die lange Lebenszeit: Männchen und Weibchen überwintern (in trockenen Stängeln) und verpaaren sich erst im kommenden Frühling. Sie sind von Frühling bis Herbst anzutreffen, da bauende und bereits schlüpfende Tiere anderer Nester im Sommer aufeinanderfolgen.


Foto: Ein Weibchen der Metallischen Keulhornbiene verwehrt einem weiteren Weibchen den Zugang zum Nest in einem Brombeerstängel.

Bild/Text: (c) Hans-Georg Folz

Brachpieper

Anthus campestris

1 (vom Aussterben bedroht)

relativ selten

Der heute in Rheinland-Pfalz als Brutvogel ausgestorbene Brachpieper war bis in die 1980er Jahre im Uhlerborner Dünengebiet regelmäßiger Brutvogel. Die letzten Bruthinweise im Gebiet stammen aus dem Jahr 1984. 


Als Bewohner besonnter, offener Sandböden, vorzugsweise in der Ebene, ließe sich bei entsprechender Gestaltung des ehemaligen IBM-Geländes bei Uhlerborn seine Wiederansiedlung als Brutvogel durchaus anstreben. Nötig wäre dazu die Gestaltung einer steppenartigen Habitatstruktur mit größeren Flächen offener, also nicht oder nur spärlich bewachsener Sandflächen. Die Nahrungssituation für den Brachpieper dürfte im Gebiet angesichts des reichhaltigen Insektenvorkommens mehr als ausreichend sein. 


Die Art erscheint bei uns noch als Rastvogel während beider Zugzeiten (Frühjahrszug und Herbstzug) und ist in der Lage, geeignete neu entstandene Habitate kurzfristig (wieder) zu besiedeln, so dass solch ein Versuch durchaus von Erfolg gekrönt sein könnte.

Bild/Text: (c) Elke Entenmann

Dünen-Schwingel

Festuca tomanii

2 (stark gefährdet)

nicht gelistet

Der nördliche Oberrheingraben ist einer der wenigen Standorte, an denen der von Korneck und Gregor als neue Art beschriebene Dünen-Schwingel  (Festuca tomanii) – auch Tomans Schwingel genannt – wächst.


In ihrer Veröffentlichung geben die Autoren präzise Hinweise, wie Festuca tomanii von ähnlichen Arten unterschieden werden kann.


Das Vorkommen ist im linksrheinischen Oberrheingebiet beschränkt auf den Mainzer Sand, den Uhlerborner Dünen-Bereich und den Sandrasen bei Ingelheim.

Die Art ist sehr stark im Rückgang begriffen.


Bei einer Begehung am 6. Juli 2021 wurde der Schwingel von dem Botaniker Thomas Becker, Universität Trier, identifiziert. In der floristischen Kartierung von 2019 ist er nicht aufgeführt.